Covid-19 (1)

Bild: Chancen und Risiken herrschaftlicher Epidemiebewältigung. „Die Pest“, TV-Serie (Sky Atlantic)

Vorab: Vieles, was ich in Kommentaren in Telepolis geschrieben und hier in Kommentaren „geparkt“ habe, will ich, korrigiert, verbessert und in logische Reihenfolge gebracht in Einträgen veröffentlichen. Der Eintrag ist als theoretische Einleitung zu verstehen, ich unterstelle da eine Menge – in erster Instanz die knappen medizinischen Urteile – was vorab vorgestellt sein sollte. Begänne ich mit „facts and figures“ einschließlich Wägungen ihrer Quellen, brächte ich nur eine Auswahl dessen, was anderswo zu finden ist (und wahrscheinlich besser / ausführlicher) ohne Anhaltspunkte der Argumentation, die ich vorstellen (und für mich selbst fixieren) will.

Was ist Covid-19.

Erstmal muß ich sagen, was es nicht ist, um Metaphern, Sprachregelungen und Bebilderungen entgegen zu wirken, die das öffentliche Bewußtsein institutionell prägen und die Leser daher unwillkürlich versuchen werden, meinem Text eingangs zu unterlegen.

a) Covid-19 ist unvergleichlich mit einer etablierten, periodisch umlaufenden Infektionskrankheit, wie der Grippe, deren Risiken und Nebenwirkungen ebenso bekannt, wie allseits geduldet sind.

b) Es ist, zumindest in Deutschland, noch keine Seuche. Ein sehr hoher Anteil der Infizierten bleibt nahezu symptomlos oder erleidet nur lästigen Schaden. Der klassifizierende Begriff, der solch ein Phänomen deckt, ist „gefährliche Infektionskrankheit“.

Punkt b ist der Angelpunkt aller Debatten, die entlang des in sich widersprüchlichen Maßstabes einer ideell souveränen Gewalt über menschliches Leben geführt wird, der Staatsgewalt. Sie wird darin umso sachfremder zum obersten Maßstab medizinischer Kriterien erhoben, je weniger Kenntnisse über die Krankheit, Eigentümlichkeiten ihrer Verbreitung und Krankheitsfolgen vorliegen.

Dasselbe Bild bieten unter vergleichbaren Umständen Kalkulationen eines Nutztierhalters. Insbesondere in der Massentierhaltung finden sich daher mit eineinhalb Ausnahmen dieselben Verfahren und Urteilskriterien, die aktuell die Maßstäbe der Volksgesundheitspolitik bestimmen, weil eine Komponente, die in der Nutztierhaltung eine vergleichsweise untergeordnete Rolle hat („glückliche Kühe“), in den Hintergrund rückt, der Anteil des moralischen Lohns an der Volksgesundheit 1.
Es geht um Bestandserhaltung nach Maßgabe des zu erwartenden Nutzens der Herde, gehalten gegen die Kosten ihrer Gesunderhaltung.
Die eine Ausnahme: Keulen steht nicht zur Debatte.
Die halbe Ausnahme: Vernachlässigung und Vergeudung / Verliederung ist nur im Umfang und in Fällen üblich, da dies gesellschaftlich durchgesetzt und akzeptiert ist.

In westlichen Gesellschaften, mit Ausnahme Islands und zwei bedingten Ausnahmen, Israel und Portugal, aber auch in Russland und etlichen kleineren asiatischen Staaten, haben die Staatenlenker unter dem Eindruck des Punktes b initial darauf gesetzt, Vernachlässigung und Vergeudung mittels rassistischer / eugenischer Propaganda untereinander und gegenüber ihrem Nutzvolk durchsetzen, also erzwingen zu können.
Ich will nicht darüber reden oder spekulieren, warum dieser Standpunkt modifiziert worden ist. Mir kommt es jetzt auf einen Kernpunkt in der Art und Weise der Modifikation an:

Sie ist überaus bedingt ausgefallen, was man daran erkennt, daß sie bis auf den Tag von einer Kenntnis der Krankheit und zu erwartender Krankheitsfolgen emanzipiert worden ist.
Nachdem die Modifikation mit Erscheinungsformen der Epidemie aus Italien, Spanien, Frankreich bebildert worden ist, wird sie jetzt rücksichtslos gegen die noch ausstehenden Kenntnisse in Frage gestellt. In dieser Bewegung ist die Krankheit nahezu komplett zum Gegenstand einer Machtfrage der Herdenhalter stilisiert worden.

Ich sage stilisiert, weil im Hintergrund der Debatten durchaus noch sachgerecht herdenhalterische, aka volksgesundheitliche Kriterien eine Rolle spielen können und wahrscheinlich werden. Um diese zu umreißen komme ich jetzt auf den Punkt, was Covid-19 medizinisch ist.

a) Eine neuartige Pneumonie, die unzweideutig um eine oder mehrere Klassen hässlicher verläuft, als bislang verbreitete Formen und für die der Verdacht im Raum steht, daß Folgeschäden an der Lunge obligatorisch auftreten.
b) Eine systemische Entzündung der Gefäßinnenhäute (Endothel), die ebenfalls mit Rezeptoren für CoV-2 besetzt sind. Die Minimalfolge: frühzeitige Gefäßalterung. Bei Vorschädigungen Organschäden bis zum Organausfall.
(c) Hirnstammschädigungen auf demselben Weg (noch nicht abschließend gesichert).

Infektionsverläufe, bei denen a, b und c nicht auftreten, sind KEIN „Covid-19“, sondern eine Infektion mit dem Erreger, welche die unangenehme Eigenschaft hat, Covid-19 in einem bislang unbekannten Ausmaß (in der Herde) zu verbreiten.

Die Prävalenz von Covid-19 unter den Infizierten, d.h. der Anteil der Kranken, ist noch weitgehend unklar. Im Minimum liegt er bei 2%, mit schwankender lokaler Inzidenz. Der Anteil kann generell noch auf mindestens 5% steigen, aber eine Verdoppelung, extremstenfalls eine Verdreifachung dieses Anteils in lokalen Populationen ist bislang noch nicht auszuschließen, siehe den folgenden Absatz zu Immunität.
In Deutschland wären das minimal ca. 1.5 Millionen Personen unter der Voraussetzung einer ungehinderten Durchseuchung, wie Erfahrung sie zu erwarten gebietet.

Es gibt etliche Hinweise darauf, daß die Wirt-Pathogen-Interaktion bei diesem Erreger kompliziert ist, mit der Folge, daß die Prävalenz von Covid-19 stark vom Infektionsdruck abhängt, und eine einigermaßen sichere Immunisierung allenfalls bei moderaten bis schweren Verläufen zu erwarten ist. Im Minimum hat man also zu konstatieren:

Covid 19 ist eine bis auf den Tag unbekannte Infektionskrankheit.

Das heißt: genuin volksgesundheitliche Kalküle würden eigentlich verbieten, Eindämmungsmaßnahmen fraglich zu stellen, solange man die Krankheit nicht kennt, daher auch nicht die zu erwartenden Krankheitskosten (Ausfallkosten, Versicherungskosten).
Ausnahmen wären nach diesem Maßstab zulässig, soweit man einigermaßen zuverlässige Daten über Verbreitungswege und -wahrscheinlichkeiten hat oder hätte, die erlaubten, eine substanzielle Eindämmung auch unter Lockerung einzelner Verfügungen aufrecht zu halten.

Die aktuellen Debatten um Covid-19 haben deshalb einen lupenrein eugenischen Charakter und Hintergrund.
„Wie entbehrlich sind die Alten und ein kleiner Anteil der Jungen?“
„Schätzen wir den Gewinn durch die Absenkung der Lebenserwartung und den Entfall der Behandlung für die Todesfälle als ausreichende Kompensation für unbekannte Krankheitsfolgen an, oder nicht?“
Das sind die Leitfragen, die den Todesfetischismus der Kommentatoren auf beiden Seiten der Konfliktlinien berufen.

Im Hintergrund steht klar erkennbar die imperialistische Konkurrenz, der Druck auf die nationalen Kommandeure, Entscheidungen zu treffen, welche vermeiden, die Konkurrenzfähigkeit der jeweiligen Nationalökonomien gegenüber den „Partnern“ nicht über die Maßen zu beeinträchtigen.
Eine weitere Komponente sollten Kritiker der aktuellen Vorgänge nicht außer Acht lassen oder unterschätzen.

Mental eingehaust in die bürgerlichen Ordnungs-, Kommando- und Gewaltverhältnisse haben sich praktisch alle Bürger in den imperialen Metropolen. Die Mehrheit der Ausnahmen lebt mit der Diagnose „psychotisch“, Abteilung „paranoid – schizophren“. Die Gestaltungen der Einhausung sind monoton unterschiedlich. In den aktuellen Debatten wird allerdings eine Klasse der Variationen prominent, die wahrscheinlich zu Recht in die Schicht des „Kleinbürgertums“ absortiert wird. Das sind Leute, die den habituellen Gehorsam, mit dem sie „ihr Leben“ zu führen, auszuhalten und auszustatten pflegen, mehr oder minder radikal zum Reich der Freiheit ausdeuten. Die Gegensätze und Widersprüche, auf die sie in dieser Lebensarbeit stoßen, legen sie konsequent und notorisch solchen Mitbürgern zur Last, denen in solchem Weltbild die Hauptlast der Beschränkungen geschuldet werden, die sie staatlicher Ordnungs- und und Kommandomacht zuschreiben wollen. Das sind in diesem Weltbild rassisch Untüchtige, Defizitäre, Loser, Kriminelle und natur- oder schicksalsgemäße Kollateralschäden „der Freiheit“, als welche sie ihre Unterwerfung akzeptieren und goutieren.
Und das sind halt jetzt „die Alten“ und an Covid-19 gemessenen Schwachen.


  1. „Moralischer Lohnanteil“ ist eine marxistische Kategorie, die gern mißverstanden wird, weil die Konkurrenz um Lebenschancen, als welche individuelle Karrieren in der bürgerlichen Gesellschaft institutionalisiert sind, die Bürger dazu anhält, sich für ihre Moral und deren Maßstäbe für alleinzuständig zu erklären. Deshalb wird der Moralische Lohn gewöhnlich in „ideellen“ und „materiellen“ Lohn auseinander gelegt verhandelt

5 Kommentare zu „Covid-19 (1)

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  1. Anstatt einer Fortsetzung wieder nur ein rasch hingeschluderter Kommentar zu
    https://www.heise.de/tp/features/Ueber-Impfstoffe-zur-digitalen-Identitaet-4713041.html :

    Gemäß EEAS-StratCom ist Telepolis ein Feindsender

    Jedenfalls dann, wenn man an der Mitteilung von 20.4. Maß nimmt:
    https://www.documentcloud.org/documents/6877118-INTERNAL-Coronavirus-3rd-Information-Environment.html

    Das betrifft nicht nur diesen Artikel, sondern alle Beiträge von Christof Kuhbandner, den letzten Artikel von Novak zur Maskenpflicht und, exemplarisch für alle, „Covid-19: Vom Beginn einer Skepsis“ von Thomas Fischer, der nach diesem Maßstab dringend vom VS beobachtet gehört.

    Ebenso wie REUTERS. Guckt ihr hier:
    https://www.reuters.com/article/us-health-coronavirus-spy-specialreport/special-report-cyber-intel-firms-pitch-governments-on-spy-tools-to-trace-coronavirus-idUSKCN22A2G1

    Letzteres ist besonders pikant, weil es geschätzte 80% der gefährlichen antisemitischen Verschwörungstheorien bestätigt, die Whitney Webb über dieses Thema auf Mint-Press seit etwa Nov. 2019 veröffentlicht hat.
    Apropos Whitney. Gestandene Kapitalismus-Kritiker – die sowieso hier nicht mehr lesen – muß ich der Form halber vor folgendem Interview warnen, denn Whitney ist halt eine fürchterliche Idealistin der Freiheit(srechte). Die Konkurrenz um Erwerbs- und Lebenschancen im Gemeinwesen des Geldes muß sie wohl für das Paradies auf Erden halten, wären da nicht all die bösen Menschen, die es für allerlei finstere Obsessionen nutzen. Geschenkt. Sie ist eine fürchterlich effiziente Rechercheurin mit dem Verstand einer KI-geboosteten Anatomie-Zeichnerin:

    Und sie beobachtet schon seit 4-5- Monaten einen Teil der Hintergrundaktivitäten zum Putsch gegen Trump mit Übergang in irgend eine Art von Militärökonomie, die jetzt, auf einer etwas anderen, als vorgesehenen Welle, täglich mehr Gestalt annehmen.
    https://www.mintpressnews.com/media-israel-intelligence-2020-elections-cyber-security/264361/
    Das eingangs verlinkte EEAS-StratCom-Dokument zeigt sich vor solchen Hintergründen als ein lachhaft scheiternder Versuch, Vorgänge zu antizipieren, mit ihnen vorgreifend Schritt zu halten, auf die auch die Einflüsterer keinen Einfluß nehmen können. Daß die Beamten dort „Avaaz“ zum Maßstab nehmen, so wie die NATO-Propagandaabteilung es mit „Bellingcat“ hält, weil „Bellingcat“ halt Atlantic Council heißt, ist ein schlagendes Symptom dafür, daß den Entscheidern längst entglitten ist, was sie entscheiden. Sie stehen auf verlorenem Posten gegenüber der Dynamik, die sie selbst eingerührt haben. Es ist die Dynamik des Krieges, der schon 30 Jahre andauert.
    Und das gilt deshalb erst recht für Figuren, wie Bill Gates und seine Standesgenossen, all die „Bösewichter“, deren Wirken Whitney wie ein Rudel Spürhunde zu verfolgen versucht. Sie mögen zu Zeiten aussehen, wie Leute, auf die es ankomme, nicht zuletzt, weil militärpolitische Entscheider, so sie nicht grad mit dem Drehen an Kräfteverhältnissen beschäftigt sind, darauf setzen, daß es so sei. Aber das ist nicht die Wirklichkeit. Die Wirklichkeit daran besteht in nichts anderem, als der Macht des Kapitaleigentums und dessen Einfluß, den solche Leute repräsentieren. An dieser Nicklichkeit arbeiten sich auch Mossad, Shin Beth und die Nachfolger des Netanyahu’schen Putschistenregimes von 1995 vergeblich ab. Schon ihre Vorgänger scheiterten, mit der Ausnahme des einen Punktes, daß sie es zu nuklearer Bewaffnung und damit zum Stande eines seltsamen und paradoxen Teils der amerikanischen Nation brachten. (Dies als Bremsklotz gegen echt antisemitische Impulse)

    Was Georg Schuster heute geschrieben hat, https://www.heise.de/tp/features/Corona-und-die-Rueckkehr-zur-Normalitaet-4710066.html, ist alles richtig, aber so obsolet, wie das Skelett eines Weibes, das ein Schock Kinder geboren hat. Die haben ziemlich genau dasselbe Skelett, aber das Fleisch ist ein anderes. Es ist imperialistisches Fleisch.

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  2. Re: „Normale Grippe“?
    Danke für den Merker.

    An einer Grippe ist in der Tat nichts normal. Ein Individuum Franz oder Else mag mit Fug sagen, „ich hatte eine normale Grippe“, halt eine, die es alle (paar) Jahr mit pi mal Daumen demselben Verlauf hat. Nimmt man zwei solcher Individuen, ist die just die Verschiedenheit individueller Krankheitsverläufe das „Argument“ des Attributes „normal“, nämlich die Spannbreite von einem Schnupfen bis zum tödlichen Organversagen, die es in der Symptomatik gibt.
    Auf Verschiedenheit der Symptomatiken ist der (Schein!)Vergleich Grippe / Covid gar nicht aus, er bügelt sie ja in irgend einem Median zwischen den Schweregraden aus.
    Der Gattung nach verbietet sich der Vergleich jedoch, denn die Symptomatiken ähneln einander nur in irgend einem Grade, bleiben aber verschieden, weil Symptomatiken anderer, anderer Klassen organischer Vorgänge.

    Woraus folgt: Im Vergleich Grippe / Covid figuriert „Grippe“ nicht als Krankheit, sondern als Sinnbild für etwas anderes, für etwas, für dessen Identität das Attribut „normal“ einsteht: Es ist ein Leben der Nation – vorgestellt als das Leben eines imaginären „Wir“ der Fährnisse eines gesellschaftlichen Lebens, die jederman zu akzeptieren hat, weil und insofern das polizeilich geboten ist.
    Der Adressat, der sich auf den Standpunkt „Covid“ stellt, soll sich außerhalb der Nation gestellt haben, von deren Gliedern verlangt ist, zu erdulden, was verfügt wurde, weil und so lange die Ursache der Verfügung ein vom Erdulder zertifiziertes Schicksal sei, das der Nation an und für sich, als imaginäre Ganzheit, von irgend wo aus dem Weltalle zuwachse.
    Worin der religiöse Kern des Nationalismus ausgesprochen ist.

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  3. https://www.heise.de/tp/features/Ein-paar-Fragen-aus-Anlass-der-juengsten-Corona-Demos-4866488.html
    Grottenschlechter Text
    Er hat nicht viele Absätze, die im strengen Sinne fehlerhafte Aussagen enthalten oder den jeweils anvisierten Sachverhalt komplett verfehlen, aber diese wenigen wiegen schwer.
    Zentral ist dieser:

    Der Einsatz von Physis und Psyche für den Gelderwerb wie für den Lebensgenuss gilt als ein subjektives Anrecht – schon gleich in der Sphäre, in der man nicht den Zwängen des Werktags zu folgen meint, sondern das Reich der Freiheit sieht, zu dem er doch bloß Mittel sei und liefere.

    Das umschreibt abstrakt allgemein ein Teilphänomen der „Psychologie des bürgerlichen Individuums“, einem der Kompendien, denen Georg theoretisch folgt, doch dieser Teil und sein Allgemeinheitsgrad trifft die Sachverhalte, die er bespricht, gerade nicht. Dafür berufe ich Georg selbst in den Zeugenstand:

    Vom [marktwirtschaftlichen Geschäftsgang] leben Gesellschaft und Staat, das weiß keiner besser als der bürgerliche Souverän, der diese Abhängigkeit schließlich selbst ins Recht gesetzt hat. Daraus resultieren sowohl die ökonomische und fiskalische Dringlichkeit der „Öffnung“ wie der politische Streit um deren Ausmaß, der im Auf und Ab der Pandemie und dessen Folgen seine Konjunkturen hat.

    In dieses Auf und Ab, Hin und Her staatlicher Lenkung nebst dazu gehöriger nationaler Führung und Formierung mischen sich die Protestler ein. Das Anrecht, das sie beanspruchen zu können und/oder zu sollen meinen, sehen sie folglich als ein Objektives an, und es ist ein objektiv ins Recht gesetztes Anliegen im Rahmen dessen, was polizeilich verfügt ist, was unmißverständlich heißt: Ein Zwangsverhältnis sowohl zwischen Polizei und Bürger, wie innerhalb des staatlich verfaßten Individuum selbst, eines zwischen „Psyche“ und „Physis“.
    Georg weiß dies „eigentlich“ bestens, es ist zum Beispiel enthalten in folgender Grundbeschwerde:

    So bringt diese anti-kritische Logik den polit-ökonomischen Grundzustand dieser Gesellschaft aus dem Blickfeld

    Das heißt ja nichts anderes, als daß die mit „anti-kritisch“ ganz übel beleumundeten Bürger die Selbsterkenntnis über ihr in Staat und Kapital verfaßtes Dasein verfehlen und so zwangsläufig dessen objektiven Verläufen folgen. Weil es ihm nicht in die Agenda seines Textes paßt, ergänzt er den Fehler um eine freie, denunziatorische Erfindung:

    Der Anti-Corona-Bewegung eröffnet das Abflauen der Infektionen, die Lockerung der Maßnahmen und der politische Disput darum offenbar einen gesellschaftlichen Raum für ihren spezifischen Freiheitsdrang. Dessen ideelle Natur muss sich nicht groß daran stoßen, dass er derzeit wieder unbeschränkter ausgelebt werden darf. Er kann eben dies als Gelegenheit ergreifen, im Nachgang Revanche für die ihm zugefügte staatliche Bevormundung zu nehmen und nach vorn gerichtet wenigstens gegen den Mundschutz als gefühltem Maulkorb anzurennen.

    Es gibt gewiß Figuren, welche diese Beschreibung mehr oder minder trifft, aber die geben allenfalls interessierte Bilder für etwas ab, was Georg selbst „Bewegung“ nennt und im Rahmen seiner eigenen Darstellung in die Abteilung Konjunkturen konfligierender Regierungsziele fällt. Das stand schon im zusammenfassenden Aufriss seiner Darstellung:

    Im Anspruch und Selbstverständnis, nicht einen Umkreis geteilter Interessen, sondern in Gestalt der Grundrechte ein hohes Anliegen der Nation zu vertreten, hatten sich die buntfarbenen Bürger … versammelt. Ihre jeweiligen Interessen hätten das in dieser Form auch schlecht hergegeben.

    Ja, so geht es halt zu, wenn Bürger ihnen zugewiesene, daher zugewachsene konfligierende Interessen apologetisch, unbefleckt von (Selbster-)Kenntnis des „polit-ökonomischen Grundzustandes dieser Gesellschaft“ zusammenwerfen, sie vereinigen sie auf höhere Ebene, und die ist halt ganz unzufällig identisch mit dem Leben der Nation, das im administrativen Wirken des Staatswesens seine Realität hat.
    Der ganze lange Text, der diesem Aufriss folgt, leistet in der Verengung auf einen „subjektiven Faktor“ kaum mehr, als eine Beschwerdeführung, die in älteren Agitationsschriften der MG / Rote Zellen(Theoriefraktion) gern mal mit „Nichts als Nationalismus“ übertitelt worden ist.

    Das hatte seinen taktischen Ansatzpunkt gegenüber Generationen, in denen sich ein nennenswerter Teil von Adressaten, auf die gezählt wurde, mit „du Nationalist“ beschimpft und verleumdet sehen wollten, doch heute ist es eine nahezu regierungsamtliche Beschimpfung im transnationalistischen politischen Mainstream, gegen die sich der überwiegende Teil der Beschimpften mit den Parolen vergangener Regenten und deren Parteigänger entrüsten. Solche Weltfremdheit des Textes verrät seine großväterliche Beschwerde über den Geisteszustand der Nachkommen.

    Dabei weiß der Georg sehr wohl, daß er Disparates zusammen schustert.

    Ungut ist auch eine linke Konkurrenz darum, wer denn nun wirklich das Volk sei. Wer seinen Aufruf damit eröffnet: „Wir sind viele, Berlin gegen Nazis“, sollte sich fragen, ob er nicht alternativ auf eine solche einsteigt.

    „Konkurrenz, wer das Volk sei“ ist zwar abermals eine freie Erfindung, die der schon beschriebenen „Logik“ einer Kritik angeblich historisch rückfälliger Geistesverfassungen folgt. Es ist eine Konkurrenz um Volx(ver-)führung. Aber mit dem Urteil „ungut“ läßt Georg zugleich erkennen, daß ihm der Gegensatz zwischen einer „linken“ Anbiederung an völkische Parolen und rechter Inanspruchnahme derselben nicht ganz entfallen ist.

    Doch er wollte ihn nicht in seinem Haupttext haben. Warum nicht?

    Auch ohne eine konkrete Antwort auf die einzelnen Fragen wird doch in jedem Fall klar, dass die Art und Weise, in der die Menschheit in den sog. normalen Zeiten sich ihr Leben verdient oder es fristet, für einen Großteil keine Existenzsicherung hergibt, die in der ersten Welt über den Monats- und in der dritten über den Tageslohn hinausginge.

    Insofern und insoweit das „wird doch in jedem Fall klar“ stimmt, wird der Satz irrelevant, bzw. relevant nur für die großväterliche Bespiegelung. Daß und wie er nicht stimmt hatte Georg jedoch selbst breit getreten. Das bürgerliche Individuum stellt sich zu diesem Wissen halt als zu einer objektiven Voraussetzung seines Daseinskampfes und / oder Selbstverwirklichung, als sei dies Dasein und dieses Selbst etwas von seinem Tun, seiner Nahrung, Behausung und Physis Verschiedenes und Getrenntes, es stellt sich auf den Standpunkt der Moralität, von dem aus deren Lebensvoraussetzungen, die Bedingungen der Moralität, nach Erlaubtem und Verbotenem gescannt werden, das sind tat-sächlich die exklusiven „Lebensmittel“ moralischen Bewußtseins. Deshalb ist auch der Befund von Peter Decker zum Geisteszustand der Zeitgenossen, den Schuster meint, zitieren zu sollen, schlicht falsch:

    Der Wille zum hartnäckigen Festhalten an der Fiktion eines selbstbestimmten Lebens in der vom Kapital fremdbestimmten, vom Staat reglementierten Realität geht ersichtlich weit. […] Entschlossene Mitmacher des bürgerlichen Lebenskampfes [fürchten] um den verdienten Lohn für das eigene erbitterte Mitmachen

    Nö. Für angestrengtes und erbittertes Mitmachen gibt es allein moralischen Lohn, und den zahlen sich die Belohnten exklusiv in eigener Regie aus. Notfalls auf regierungsfeindlichen (im strengen Unterschied zu staatsfeindlichen) Demonstrationen.

    Ich will die Kritik des Textes nicht schließen, ohne wenigstens schlaglichtartig auf die Voraussetzungen seiner Verfehlungn zu verweisen, die über biographische Charakterisierungen („großväterlich“) hinaus weisen.

    Tritt man einen Schritt von Deckers und Schusters Kritiken der rezenten bürgerlichen Geistesverfassungen zurück, so könnte man naiv auf die Diagnose verfallen, die Autoren glaubten, den Adressaten sei die Kritik von Kapital, Staat, Nation und (Welt)Geld, die sie vertreten, zumindest in Keimform geradezu in die Wiege gelegt.

    Ich will sofort das Richtige solch einer Überzeugung / Hoffnung whatever betonen. Ein Baby ist nach dem Abschluß der ersten sensomotorischen Entwicklungsphase mit einer Kritik von Kapital, Staat, Nation mit wachsender Intensität befaßt, denn diese Gegenstände treten ihm vermittelt in der Kommunikation mit der Mutter und dem Familienleben und der Zurichtung durch un in demselben widerborstig entgegen.

    Aber ein Kind hat bis zum Abschluß des 12. Lebensjahres gewöhnlich nicht die operativ-intellektuellen Mittel, die eigene familiäre Akkomodation als Solche in den Blick zu nehmen, geschweige deren auseinanderfallende Bestandteile in ihrem Zusammenhang zu begreifen. Moralisches Bewußtsein ist mindestens eine notwendige Durchgangsstufe des Selbstbewußtseins eines bürgerlichen Zöglings. Eine Überwindung kostet Arbeit und jede Menge Um- und Irrwege. Sie fällt deshalb nicht unvermeidlich, oder gar notwendig, aber biographisch überwiegend Angehörigen der bürgerlichen Eliten zu. Der Status eines „Kapitalismuskritikers“ – in scharfer Unterscheidung von einem kommunistischen Aufrührer – ist daher tat-sächlich ein genuin bürgerlicher Stand, einer, der erst seit wenigen Generationen geduldet ist und notorisch auch innerhalb der geistlichen Stände des Bürgertums instrumentalisiert wird. Decker und Schuster bringen in ihren späten Texten das priesterliche Schicksal zur Geltung, das diesem Stand in der jahrtausende alten sklavenhalterischen Trennung von Hand- und Kopfarbeit gleich seinen geistlichen Nebenbuhlern herrschaftlich bestimmt ist. Sie vermeiden peinlichst eine priesterliche Klage über einen Verfall der Sitten, aber dieser Vermeidung gilt eine Hauptarbeit ihrer Textabfassung, mit dem Ergebnis, daß die Resultate beim verfehlten Publikum zu Recht als verfehlte Sittenkritik ankommen.
    Das ist bitter.

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  4. https://www.heise.de/tp/features/Wie-schlimm-ist-Covid-wirklich-4868723.html

    Ein Arzt, der was von „T-Zellen-Immunität“ erzählt, ist ein Scharlatan. Das wissen eigentlich alle regelmäßigen TP-Leser und „Herdenimmunitäts“-Fanatiker von der kürzlich skandalisierten Charite-Drosten-Studie zur nachweisbaren, aber nicht bezifferbaren [b]Kreuzresistenz [/b]gegen diverse Corona-Viren. Sie verwendete das Unwort „Teilimmunität“ (ein bißchen schwanger?) für T-Zellen-[b]Resistenz[/b]. Wenn ein Epidemiologe was von „T-Zellen-Immunität“ erzählt, dann erzählt er von einer [b]Population[/b], nicht von Individuen.

    Eine Population kann unter wohlbestimmten Umständen eine T-Zellen-Immunität erwerben. Dazu müssen Infektionsherde, die von Individuen ausgehen, bei denen die T-Zellen-Resistenz versagt, mit einer robusten, allerdings unbezifferbaren Zuverlässigkeit eingedämmt werden, ebenso, wie Zuflüsse von benachbarten Populationen. Sind diese Bedingungen gegeben, gibt es keine Epidemie, sondern nur Einzelfälle versagender T-Zellen-Resistenz, die Population ist immun, so lange die genannten Bedingungen aufrecht erhalten bleiben.

    Ich verweise zusätzlich auf den Kommentar von „Mathematiker“
    https://www.heise.de/forum/p-37210470/

    Dieser Notfallhelfer ergänzt episodische Erfahrungen mit einer in unverstandene Fachbegriffe kodierte Herdenimmunitäts-Ideologie und ergänzt die Kombination mit dazu passenden, hoch selektiven Verweisen auf Teile der Fachliteratur. Ein Machwerk, das methodisch wie aus der Rassenliteratur des „Dritten Reichs“ transponiert erscheint, nur mit anderem Thema.

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