Kassandra spricht am Grab der Penthesilea

Kassandra spricht

Gäbe es machtvolle, bündische Organisationen der Arbeiterklasse, in denen ein anderes, als fatalistisches Bewußtsein darüber vorherrschte, daß jede Lebensregung ihrer Mitglieder dem Zweck der Geldvermehrung unterworfen ist – und sei es in der Form der Schuldenbedienung – wäre Covid-19 ein rein medizinisches Problem. Die Arbeiter könnten nicht nur gewaltsam alle Produktion unterbrechen, die nicht der Nahrungsmittelbereitstellung, der nötigen Energieversorgung, des Nötigsten an Wohnungserhalt und der medizinischen Versorgung dienen, sie wären auch die diejenigen, die über die Notwendigkeit von Lieferketten überhaupt nur befinden und entscheiden könnten. Sie halten doch in Gestalt der betrieblichen Verwaltungsangestellten alle Rohdaten über den materiellen Versorgungsstatus der Produzenten in der Hand, der in der betrieblichen Rechnungsführung Ausgangspunkt der Gewinn- und Verlustkalkulationen ist, und diese Daten zusammen zu führen, ist im IT-Zeitalter ein zwar anspruchsvolles, aber lösbares Problem, für dessen Bewältigung abermals die Arbeiter alle Qualifikationen in der Hand halten – sofern sie bereit wären, sich die existierenden Datenzusammenführungen notfalls mit Waffengewalt zu erkämpfen.

Die Arbeiter hätten die Opfer von Covid-19 frühzeitig in Richtung des medizinisch und ökonomisch Unvermeidlichen minimieren können und – vom selben, vielleicht auch größerem Belang – jeder einzelne von ihnen und gemeinsam bekämen sie in die Hand, zu entscheiden, welche Opfer an Bequemlichkeit oder anderer Art sie für diese Minimierung bringen wollten. Daß ihre Arbeit dem ihnen feindlichen Zweck der Plusmacherei unterworfen ist, stellt den Ausgangspunkt für den moralischen Extremismus dar, der jede Entscheidung zwischen die Pole „Jeder ist sich selbst der nächste“ und christliches, soldatisches oder faschistoides Heldentum stellt.

Stattdessen finden sich jetzt die Republiken oder Militärherrschaften – wie immer man sie heißen oder auffassen mag, das ist erstmal egal – in der Situation, dass für die Herren der Produktion nicht die erlittene Stockung oder eine zweckmäßige Brachlegung der Produktion das Problem ist, sondern die Stockung der Geld- und sonstigen Kapitalumläufe.

So weit habe ich nur erweiternd paraphrasiert, was im Artikel steht – wenn ich mich nicht irre. Jetzt gehe ich einen Punkt darüber hinaus.
Der Unterschied zwischen der Gelddruckerei mittels Staatskredit in der Vergangenheit, und dem was jetzt anhebt – u.a mit den von den G20 vereinbarten $5Billionen zuschüssiger Staatskredite – besteht darin, daß dieses Geld als zuschüssige Zahlungsmittel auf den Märkten erscheinen soll und muß, wenn es seinen Dienst tun soll, die Zusammenbrüche der Produktion zu verhindern, die einer Stockung der Kapitalumläufe unvermeidlich folgte, und nebenher auch noch zu verhindern, daß die Leutz zu Milliarden verhungern, erfrieren oder an anderem Mangel zugrundegehen.

Bislang haben Staatsfunktionäre und Finanzwirtschaft alles Mögliche unternommen, daß zuschüssiger Kredit nicht als zuschüssiges Zahlungsmittel auf den Märkten erschien – mit einer Ausnahme: den Märkten für Eigentumstitel; seien es Börsentitel, Anteilstitel, Immobilientitel, Zins- und Renditetitel und was es sonst noch geben mag (ich kenn mich da nicht im Einzelnen aus). Gegen die dennoch auf den Märkten ankommende zuschüssige Zahlungsfähigkeit stand all die Jahrzehnte eine ausreichende Masse Kapital, das brachgelegt bzw. vernichtet wurde, womit den Märkten eine Menge Zahlungsfähigkeit entzogen wurde.
Deshalb gab es nicht den „Zusammenbruch des Weltwährungssystems“ oder die „Hyperinflation“, die zu beschwören seit 30 Jahren ein eigener, börsengängiger Geschäftszweig geworden ist.

Jetzt sieht die Sache halt anders aus, und das wissen die Leute, die gestern die 5 Billionen „locker“ gemacht haben, bzw. die Leute, die sie dafür beschäftigen, es zu wissen.
Das heißt, mehr oder minder weitläufig steht im Hintergrund dieser Entscheidung auch die prinzipielle Willenserklärung, gemeinsam für die Folgen einstehen zu wollen, und dafür gibt es genau ein Mittel: Eine globale Währungsreform.

Doch eben diese prinzipielle Willenserklärung hat über ihren Gegenstand die Eigenart, daß dem Streit und der Konkurrenz über die Modalitäten einer solchen Reform von vornherein nur militärische Durchsetzungsmittel zur Verfügung stehen. Die ökonomischen Durchsetzungsmittel entfallen qua Voraussetzung mit der Ausnahme wechselseitiger Lieferblockaden, die das Potential haben, ein betroffenes Staatswesen sehr rasch an den Rand einer Entscheidung über „Sein oder Nichtsein“ zu bringen.

Und deshalb ist jetzt nicht die Zeit, die Schultern zu zucken und mit Blick auf Corona zu murmeln, „da müssen wir jetzt durch, und dann …“.
Gegen das, was da kommt, ist das Virus tatsächlich ein Schnupfen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

Nach oben ↑

Erstelle deine Website auf WordPress.com
Jetzt starten
%d Bloggern gefällt das: