Fall Skripal – Versuch, eine Lücke zu füllen

Skripal / Skripal im Reich des Absurden

Im letzten Eintrag ging es u.a. um einen Filmbeitrag der BBC vom Mai/18, den man zum Beweis nehmen könnte, die Skripals seien vor ihrer Einlieferung im Bezirkskrankenhaus Salisbury nicht mit einem Nervengift angegriffen worden, und auch nicht in den ersten ca. 36 Std. ihres Aufenthaltes dort. Mit zwei Zusatzargumenten hatte ich die Aussage auf den gesamten Zeitraum der klinischen Behandlung ausgedehnt.

Andererseits sind viele Aussagen des Klinikpersonals, die im Film dokumentiert werden, doppeldeutig, ausweichend und lückenhaft. Wäre nicht folglich die Auskunft, bis zur Frühschicht Dienstag morgen hätten die behandelnden Ärzte nicht gewußt, es mit einem Gift aus der Klasse der Cholinesterasehemmer zu tun zu habe, in Zweifel zu ziehen oder zu verwerfen?

Ich hatte mich bemüht, anhand der geringstmöglichen Anzahl an Details zu demonstrieren, die Annahme, eine Vergiftung mit „Novichok“ oder ähnlichem habe im kritischen Zeitraum gewiß nicht vorgelegen, und danach mit größter Wahrscheinlichkeit nicht, sei auf die wahrheitsgemäße Darstellung des Zeitablaufes nicht angewiesen.
Aber man muß man die Argumente nicht unbedingt teilen, und wenn man es tut, setzt das den realen Ablauf und die Vorgänge in ihm nicht zur Nebensache herab, schon gar nicht hinsichtlich der politischen und geheimdienstlichen Motive des Falles.

Jetzt will ich, wie angekündigt, demonstrieren, daß das Zeugnis von Sarah Clark – zur Zeit der Einlieferung der Skripals Schichtleiterin in der Intensivstation in Salisbury – mehr her gibt, als der Film erkennen läßt, in dem es bebildern soll, wie es zur späten Diagnosestellung am Dienstag, den 6. gekommen ist. Clark hatte gesagt:

We were … led … to believe, they had taken an overdose, so there was no indication of nerve agent poisoning

Die … stehen für Clarks merkliches Zögern bei der Wortwahl.
Were led to believe“ ist mehrdeutig. Es kann der Sache nach heißen „wir wurden irregeführt“, „wir wurden getäuscht“, „wir ließen uns irreführen/täuschen“ oder „wir haben uns von etwas“ (ohne Einwirkung Dritter) „täuschen lassen“. Kann man das näher eingrenzen?

In meinem ersten Blogeintrag zum Thema vom 10. März 2018, Neue Souvereign Facts und ein neuer britischer Giftanschlag auf Europa, hatte ich dokumentiert:

Der Guardian und Teile der britischen Lokalpresse sprachen von Fentanyl. Das ist mit Sicherheit eine Ente. Die letale Dosis dieser Anästhesie-Droge liegt vergleichsweise hoch und sie wird benutzt, weil Nebenwirkungen auf das vegetative Nervensystem, wie Erbrechen und unkontrollierter Speichelfluß, die bei den Skipals von Augenzeugen berichtet wurden, ausbleiben. Die Augenzeugen berichteten von „Zuckungen“ und „unkontrollierten Bewegungen“ Sergei Skripals, während seine Tochter bereits bewußtlos gewesen sei. Das schließt auch potentere Derivate von Fentanyl, wie Carfentanil, definitiv aus, wie z.B. hier nachzuvollziehen. Zudem gibt es das wirksame Gegenmittel Naloxone, das alle Kliniken gegen Opiat-Überdosen, einschließlich Anästhesie-Unfällen, in Vorrat halten.

Jetzt wissen wir aus Sarah Clarks Mund, die Fentanyl-Gerüchte waren keine, oder nicht nur eine Ente, denn für sie war die Annahme einer Opiatvergiftung Grundlage der Erstbehandlung der Patienten und das ist in den Empfangs- und Übergabedaten der Patienten dokumentiert. Das erledigt natürlich nicht die Begründung meiner Zurückweisung. Konkret: Wenn das Klinikpersonal von diesem Anfangsverdacht ausging, hätte es, sofern wir uns an das Kliniknarrativ halten, spätestens um Mitternacht des 4./5. an der mangelnden Wirkung des Gegenmittels erkennen müssen, daß der Anfangsverdacht nicht stimmen konnte.

Andernfalls wäre es eine Opiatvergiftung gewesen und die zeitnah zitierten Augenzeugen hätten sich geirrt, hätten übertrieben oder waren nichtexistent.
Folgen wir diesem Strang weiter, hätte MI6 schon mit dem Briefing Montag morgen ein militärisches Kommando über die Behandlung übernommen. Das können wir ausschließen.
Leser, die sich ernsthaft auf den Standpunkt stellen wollen, MI6 oder die Armee hätte die Klinik mit einem bewaffneten Rollkommando besetzt und mit Erfolg jede Seele mit Erschießung oder einer anderen Todesart bedroht, der es wage, sich der realen und medialen Gefangennahme der Skripals zu widersetzen, während diese von einer Überdosis genasen, mögen sich bitte trollen.
Zweiflern halte ich vor, daß in diesem Nebenstrang die Verzögerung der angeblich korrekten Diagnose bis Dienstag früh in der Luft hängt. Ich hatte a.a.O. – übrigens wohl kalkuliert – dokumentiert, was die englische Wikipedia am 10.März wissen lassen wollte:

On 6 March, it was agreed under the National Counter Terrorism Policing Network that the Counter Terrorism Command based within the Metropolitan Police would take over the investigation from Wiltshire Police. Assistant Commissioner Mark Rowley, head of Counter Terrorism Policing, appealed for witnesses to the incident following a COBR meeting chaired by Home Secretary Amber Rudd.[22] Rudd said the samples of the nerve agent used in the attack had been tested at the Defence Science and Technology Laboratory at Porton Down and was a „very rare“ poison.[28]

Bis zum Dienstag hatte Wiltshire Police noch das Kommando. MI6 hätte alles mit dem Fall befasste Personal einsperren, das restliche Personal am Verlassen der Klinik hindern, Telefone und Rechner vom Netz trennen und somit öffentlich gegen den Innenminister putschen müssen, um die Genesung der Skripals medial zu unterbinden. Folglich gab es keine Opiatvergiftung, jedenfalls keine „normale“.

Damit landen wir zurück bei Null, der Aussage von Frau Clark.
Wollt ihr wirklich annehmen, sie und das ärztliche Personal seien aufgrund irgend eines Hörensagen eine nennenswerte Zeit lang einem Verdacht auf Opiatvergiftung gefolgt, wenn derart viel dagegen sprach, wie im vorliegenden Fall?
Skripal / Skripal, ein russischer, ein britischer Pass,  35 Lebensjahre auseinander, werden nicht in einer halbseidenen Absteige, sondern auf einer Parkbank aufgefunden. Dort sollen sie sich gemeinsam eine Dröhnung gegeben und dabei fatal vertan haben? Wer soll das schlucken, schon gar, wenn die Symptome allenfalls schlecht auf eine Opiatvergiftung gepasst haben können?

Aber der Anfangsverdacht ist dokumentiert.
Enter: ein Gespenst.

Auftritt einer mutmaßlichen Expertin für Enhanced Interrogation Techniques

Coincidence? – Chief Nurse Of British Army Was First To Arrive At Novichoked Skripal Scene
In den 10 Monaten, die bis Jan.2019 vergangen waren, haben nicht nur Verschwörungstheoretiker, auch ein Heer ambitionierter Journalisten und Reporter der britischen Lokal- und Regionalpresse energisch und vergebens versucht, die Identität des professionellen Erstversorgers zu ermitteln, dessen Rolle Wikipedia frühzeitig benannt hatte:

… found unconscious on a public bench near a shopping center in Salisbury by a passing doctor and nurse.

Da war sie nun, Colonel Alison McCourt.
Es gibt mehr über sie festzuhalten, als ihre damalige Funktion. Sie gehörte ab etwa 1996 bis 2001 zu den aktiven britischen Kampftruppen in Bosnien, Kosovo, Irak und Sierra Leone. Den letzten Schliff, bevor sie zu einer administrativen Karriere im UK berufen wurde, hat sie 2001 in Camp Bondsteel erhalten. Die gewaltige Anlage ist unter drei Oberkommandos aufgeteilt, dem der US Army, dem NATO-Hauptquartier für die KFOR-Truppen und der CIA.

Camp Bondsteel is not open to inspections by the Committee for the Prevention of Torture (CPT), which has the right to visit all „places of detention“ of the member states of the Council of Europe. Negotiations with KFOR were underway, but they have been suspended since Kosovo’s unilateral declaration of independence was not recognized by the Council of Europe. The United States Army had been criticized for using the base as a detention facility housing the detainees who were suspected of terrorism.[4] In November 2005, Alvaro Gil-Robles, the human rights envoy of the Council of Europe, described the camp as a „smaller version of Guantanamo“ following a visit.[5][6][7] The US Army denied the accusation and stated that there were no secret detention facilities in the Camp.[8]

In Rob Slanes‘ Sammlung der „Vierzig absurdesten, unplausibelsten und schlichtweg unmöglichen Sachen, die wir glauben gemacht werden sollen“ figuriert Colonel McCourt unter Punkt 32 auf eine Weise, die mir repräsentativ für die Szene der Abweichler und Verschwörungstheoretiker zu sein scheint:

That the chief nurse of the British Army just happened to be shopping near the bench when the two Russians were on it. (ABSURD)

In welchen Pferch, in welchen County von Absurdistan führt Rob uns?! Warum, in Drei Teufels Namen, soll so ein Zufall „absurd“ sein? Ja, Frau McCourt gibt Anlaß, nicht nur einem Pfarrer als eine Ausgeburt der Hölle zu erscheinen, aber auch solche Ausgeburten müssen essen, trinken, scheißen, und sie haben sogar Kinder!
In diesem Fall eine 15-16 Jahre alte Göre, die beiläufig ausgeplaudert hat, was für sich zu behalten sie offenbar nicht mit besonderem Nachdruck vergattert worden ist.
Nach ihren Angaben hat sie den Zustand der Skripals bemerkt und ihre Mutter dazu geholt.

Andererseits verdient Colonel McCourt eine Absortierung in Normalistan so wenig, wie die Einhegung ins Reich Absurdistan, in dem sie zum Bildmaterial genommen wird, um Argumentationsketten Glaubwürdigkeit zu verschaffen, in denen sie keine Rolle spielt. Die Aussage Sarah Clarks‘ gibt keine Auskunft über McCourts Rolle, erlaubt aber, sie einzugrenzen.

Ich erfinde einen Schlußstein im Gewölbe der Skripal-Saga

Denn wir wissen, die angeblich oder tatsächlich irrige / irreführende Annahme einer Opiatvergiftung, von der wir annehmen sollen, sie habe eine korrekte Diagnose verzögert, hat nicht auf der medizinischen oder militärischen Autorität von Colonel McCourt beruht. McCourt hat wohl der Ambulanz glaubhaft machen können, sie sei „vom Fach“, ohne sich auszuweisen, andernfalls hätte es Gerüchte über ihre Identität geben müssen.

Womit wir zurück verwiesen sind auf eine Szene, in der Frau Clark und ein paar Ärzte vor den an die Beatmungsmaschinen angeschlossenen Skripals stehen und überlegen, was den Beiden zugestoßen sein könnte, und jetzt ist es egal, ob wir an den frühen Abend denken, an dem wenig oder nichts geklärt war, oder die Szene in die Nacht verlegen, in der klar wurde, Naloxon hatte nicht oder allenfalls schwach angeschlagen. Was wäre das Nächstliegende gewesen?

Elementar. Verdacht auf Lebensmittelvergiftung. Und wenn man der nachginge, käme – wir befinden uns noch im BBC-Narrativ – im bereits angegebenen Tempo die Diagnose „Cholinesterase-Hemmung“ auf den Tisch, weil eine Reihe seltene aber symptomatisch naheliegende Fischvergiftungen in denselben Stoffwechselweg eingreifen, wie „Novichok“ und seine älteren Verwandten.

Womit wir wieder aus dem Narrativ des Films hinaus geworfen sind, doch nun hängt der Anfang der Kette in der Luft, Sarah Clarks Aussage.
Sie hätte ohne Beeinträchtigung des Filmnarrativs die in all unseren Überlegungen fassbar werdende klinische Wahrheit aussprechen können und eigentlich müssen, das Personal habe es mit einem „unknown, very rare poison“ (UVRP) zu tun bekommen, wie Innenminister Amber Rudd es unter Berufung auf Porton Down irgendwann Dienstag, spätestens Mittwoch früh, öffentlich verkündet hat. Das UVRP wäre kein Novichok gewesen und brauchte bis Dienstag keines zu sein, sondern das, was es offenbar real gewesen ist, ein trivial nicht zu identifizierender Giftcocktail. Der dokumentierte Anfangsverdacht auf Opiatvergiftung brauchte nicht erwähnt zu werden, wenn er keine nennenswerte Rolle im Geschehen hatte. Da fehlt etwas.

Ich denke, ich weiß was fehlt. Frische Injektionsspuren. Sie geistern ungenannt durch das Narrativ des Filmes.

Fortsetzung folgt.

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