Russische Regierung kommandiert SAA zum Rückzug

Das geht aus der morgentlichen Stellungnahme des russischen Kriegsministeriums hervor. Die Voraussetzungen dieser Auslegung entnehme man meinen Vorberichten (25. Feb.; letzte Nacht).

Das DoD versichert, die SAA habe nicht bewußt türkische Truppen angegriffen, die sich inmitten von „Einheiten der Terrorgruppe Hayat Tahrir al-Sham“ aufgehalten hätten, die am 27. eine „groß angelegte Offensive auf syrische Truppen begonnen“ hätten. Die Anwesenheit türkischer Truppen in der fraglichen Gegend sei der russischen Kontaktgruppe „nicht mitgeteilt“ worden.
Dann folgt der Schlüsselsatz:

„Immediately after receiving information about the injured Turkish troops, Russia took comprehensive measures to ensure full cessation of hostilities by Syrian forces.“ (Herv. von mir)

Es gibt genau eine „umfassende Massnahme“, die der Kreml treffen kann, die syrischen Truppen zur Einstellung des Kampfes zu zwingen: Die Drohung, sämtliche Luftunterstützung einzustellen.
Das ist fast beweiskräftiges Indiz, daß der Kreml diese Drohung in der vergangenen Woche bereits umgesetzt hat, sodaß die türkische Wiedereinnahme Nayrabs und Saraqebs eine mittelbare russische Strafmaßnahme gewesen ist.

Dafür spricht ebenfalls, daß die israelische Luftwaffe in dieser Zeitspanne mehrere Angriffe auf Damaskus flog und gestern demonstriert hat, sich dafür russische Deckung zu nehmen. Die Hubschrauber-Angriffe auf syrische Ziele in Quneitra vom besetzten Golan aus hätten nicht statt gefunden, wenn die IAF nicht sehr sicher gewesen wäre, daß die syrische Seite still hält, denn einen obligatorischen Rachefeldzug nach einem Abschuß kann die israelische Militäraristokratie jetzt gerade nicht brauchen, behaupte ich.

Parallel zum DoD hat der stellvertretende Vorsitzende des außenpolitischen Komitees des Föderationsrates, an dessen Vorgaben die russische Regierung strikt gebunden ist, Vladimir Dzhabarov, die Leitlinie des russischen Vorgehens vorgestellt:

“If the Turks bet on military force, that would be a really bad idea since winning such a war would be difficult,” he added. “Syria is not alone; it has allies in the Arab world, which will support it.”

Und deshalb werde eine türkische Offensive gegen die SAA „“end badly for everyone, including Turkey”. Das heißt selbstredend: in erster Instanz werde es für Damaskus „böse enden“. Ich „übersetze“ weiter: Die russische Regionalpolitik werde zweifellos einen Rückschlag erleiden, doch der sei zu verkraften, weil die arabische Welt sich noch entschiedener gegen die Türkei wenden werde, als das schon der Fall ist.

Mit diesen Aussagen ist der Dringlichkeitssitzung des Natorates nach Art.4, die Stoltenberg in der Früh anberaumt hat, der Boden bereitet: Kein Handlungsbedarf, für niemanden 1, außer der Besetzung der im US-Congress embeddeten Muppets-Show:


  1. … für niemanden, weil der Sekundärangriff, den die NATO via Ankara auf die EU führt, indem ein Sprecher der türkischen Regierung heute früh die Flüchtlinge aus aller Welt, die sich in der Türkei aufhalten, zum Grenzübertritt gen Westen aufforderte, ein Schlachtfeld betrifft, das dem syrischen bloß benachbart ist. 

4 Kommentare zu „Russische Regierung kommandiert SAA zum Rückzug

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  1. Ich mag das nicht verlinken und besprechen, aber große Teile derselben Leute und Seilschaften, die bis gestern abend teilweise exzessiv eine NATO-türkische Kriegstrommel rührten, twittern jetzt von „Abenteuer“ und „Fehlkalkulation“ und vergießen Krokodilstränen über die innenpolitischen Querelen, die Erdogan zu gewärtigen habe – wie sie offenbar hoffen und anregen. Allen voran Crisis Group und Charles Lister. Aus meiner Sicht das gespenstischste Phänomen daran: Leute dieser Art residieren nicht in hochsicheren Gated Communities, Burgen, Festungen, obwohl sie maßgeblich mitverantwortlich für Opfer aller Konfliktparteien sind, wenngleich nur ein paar Tausende hie, Millionen und Abermillionen da. Wie ist das MÖGLICH? Ich fass‘ es nicht.

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  2. Ein Pendant dazu ist Julian, der wohl täglich mit der U-Bahn zur „Arbeit“ fährt. Frage mich auch, warum dem keiner eine verpasst oder wenigstens mal beherzt anrotzt.
    P.S. schön, dass du wieder Blogartikel schreibst

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