Why Trump „really“ withdrew from JCPOA …

„Trump completely lacked an exit strategy when he pulled out of the Iran nuclear deal and made the decision out of pure animosity towards his predecessor, the ex-UK ambassador to the US [Kim Darroch] said.“ (RT)

Das erinnerte mich, ich bin meinen Lesern noch immer eine zureichende Erklärung schuldig, warum Trump das Iran-Abkommen gekündigt hat.

Das „pompös dumme“ Urteil Darrochs ist ein schäbiges, altes Hütchen

Beispielsweise schrieb ein gewisser  

Trump has said he’s open to negotiating a newer, tougher deal, but there’s little chance that Europe and Iran — which spent years negotiating the current deal, and believe that it’s working — would agree to do so.
It’s hard to understand the motivation for doing this without looking beyond policy and into politics. During the 2016 presidential campaign, Trump repeatedly called the Iran deal “the worst deal ever,” once giving the headline speech at an anti-deal rally. And a priority for this administration has been tearing down accomplishments of the prior president.

Wir sehen, die „pompös dumme“ (Trump über Darroch) Phrase von der „fehlenden Exit-Strategie„, findet sich dort ein bisserl „eleganter“ formuliert, nämlich so, daß die Wahrheit hinter diesem blöden Vorwurf an einen Kriegsherren, der Trump nunmal ist, und mit der Kündigung des Abkommens sein wollte, zu einem kleinen Teil kenntlich wird.
Eine „Exit-Strategie“ ist nicht sein Problem – hat Trump mit dem Rückzug verfügt, sondern das des Iran und des minderbemittelten Restes der Welt! 

Bei einem Verband für EU-Lobbyisten, Eyes-on-Europe, hat man diesen Fakt in der epischen Form einer „Herausfordereung„, einer „Challenge of the European Union“ (Dez.2018) zur Kenntnis genommen. Unter anderem wie folgt:

The EU GDP in 2017 was 15.360 billion Euros … [20] … US GDP was 16876 billion Euros, and it has significantly increased after the election of President Donald Trump[21].

Die Zahlen stimmen nicht!1 Aber wurscht, darum geht’s ja nicht, sondern:

According to a research conducted by Astrid Viaud, Doctor of the Catholic University of Louvain (UCL), the withdrawal of the agreement and the reintroduction of autonomous sanctions by the US can also be seen as a commercial strategy aimed at slowing the growth of American commercial competitors in Iran. President Trump’s strategy is therefore to stop the economic power of the EU.

 „Pompöse Dummheit“ allüberall. Der Satz, den ich kursiv hervor gehoben habe, stimmt zwar, aber noch dem dümmsten Batzen sollte auffallen, daß dies viel umfassender für China und den Gesamtumfang der eurasischen und europäisch-asiatischen Geschäfte gilt 2.

Aber was sagte Trump denn nun in Person über seine Gründe und Motive?

Folgen wir zunächst den oben zitierten Quellen:

We cannot prevent an Iranian bomb under the decaying and rotten structure of the current agreement,” the president said in justifying his decision. “Therefore, I am announcing today that the United States will withdraw from the Iran nuclear deal.” (Vox)

Nur„, schrieb Zack, der Iran-Deal sei „keineswegs“ rotten, im Verfall begriffen und begründet mit dieser Widerrede den Verdacht eines unpolitischen, nämlich parteipolitischen Motives für den Ausstieg, den Kim Darroch in seiner pompös dümmlichen Manier kolportiert hat.

Unsere EU-Lobbyisten belieben, den Schwerpunkt anders zu setzen. Trump sei ausgestiegen,

because “The Iranian regime is the leading state sponsor of terror.  It exports dangerous missiles, fuels conflicts across the Middle East, and supports terrorist proxies and militias such as Hezbollah, Hamas, the Taliban, and al Qaeda” (EoE)

Doch damit beschäftigen sie sich in der Folge nicht, sondern damit, wie die EU den „funktionierenden“ Deal retten könne, nicht zum Wenigsten mit den o.zit kommerziellen Motiven.

Beide Zitate sind dem  Original der Trump’schen Ausstiegsverkündung entnommen. Beide vermeiden es, den ersten Satz zur Kenntnis zu nehmen, der Trumps Ausstiegsgrund in allgemeiner Form nennt:

My fellow Americans:  Today, I want to update the world on our efforts to prevent Iran from acquiring a nuclear weapon.

Ich verkünde heute der Welt, was wir zu tun und zu lassen gedenken.

Im Fragment „Was war der Iran-Deal?“ vom November auf meinem alten Blog, auf das ich kürzlich schon verwiesen habe, bin ich, vom Tinnitus schwer behindert, nicht auf diese Seite der Affäre zu sprechen gekommen, weil ich hoffte, den begonnenen Verriss der „Gegenstandpunkt“-Kritik in angemessener Frist zustande zu bringen. In abstrakt-allgemeiner Gestalt hatte ich die Sach dort immerhin angesprochen.
Der Deal habe die Unterzeichnerstaaten gemeinsam, also die Russische Föderation und China neben den alten westlichen Nuklearmächten, plus Deutschland und die EU-Kommission, zu Schutzpatronen einer iranischen Entwicklung zu einer Weltmarktmetropole deklariert.
Wobei der Unterschied zwischen Sein und Schein, Können und Wollen bitte immer zu beachten bleibt.
Ich zitiere mich:

Unter den gegebenen politischen, geostrategischen und ökonomischen Weltmarktvoraussetzungen erlaubte (er) der Iranischen Republik in ihrer aktuellen  Verfassung, den Status einer Regionalmacht in spe in Anspruch zu nehmen, so lange sie auf eine atomare Bewaffnung verzichtet.

Im vergangenen Jahr hätte ich das noch langatmig gegen Zweifler und Kritiker zu verteidigen gehabt, heute liegt die Sache faktisch zu Tage. Die iranische Führung versichert, sie könne „binnen Stunden“ zum Status einer nuklearen Schwellenmacht zurück kehren, den der Deal blockiert hat. Einer Macht also, die in absehbarer Zeit – wenngleich nicht binnen Jahresfrist, wie Netanyahu zu behaupten pflegt, wenn er der Welt mit seinem ROTEN FINGER winkt –  militärischen Angriffen mit nuklearer Gegenmacht begegnen zu können hoffen kann.
Wichtiger aber, die Iranische Republik nimmt schon heute mit Fug den Status einer Regionalmacht gegen zionistische und amerikanische Drohungen und Zumutungen in Anspruch.
Ein Zeugnis dafür ist der o.zit. Artikel der EU-Lobbyisten und die Maßnahmen, von denen er erzählt.
Weitere Zeugnisse hat Sharmine Narvani in den Interviews ins Feld geführt, die ich hier zitiert habe. Der von Narvani auf ihre parteiliche Weise umschriebene Regionalmachtstatus des Iran sei

… der Hintergrund (der) vielgescholtenen Initiative (Trumps gewesen), das amerikanische Verhältnis zu den Alliierten am Golf auf neue Füße zu stellen, mit dem KSA als designierter regionaler Führungsmacht im „Antiterrorkampf“ und „Eindämmung schädlichen iranischen Einflusses“.

schrieb ich dort. Aber hören wir Trump selbst, in der o.zit. Deklaration, mit meinen Hervorhebungen:

In theory, the so-called “Iran deal” was supposed to protect the United States and our allies from the lunacy of an Iranian nuclear bomb, a weapon that will only endanger the survival of the Iranian regime.  In fact, the deal allowed Iran to continue enriching uranium and, over time, reach the brink of a nuclear breakout.

Die Phrase „… only endanger …“ ist natürlich eine Heuchelei, aber man hat zur Kenntnis zu nehmen, daß sie dort ins Feld geführt wird. Allgemein gesprochen würde eine nukleare Bewaffnung den Iran weitgehend vor Angriffen schützen – den Iran, nicht das „Regime“, das nur innenpolitisch fallen kann. Letzterer Umstand war ein Druckpunkt der Nötigung des Iran zum „Deal“: Die nukleare Bewaffnung kostet das Land Ressourcen zu Lasten der Bevölkerung, und daher mittelbar des „Regime“, zugunsten der territorialen Integrität. Trump weicht hier nicht ab von Obamas Politik der Isolierung Israels zugunsten des Iran.

Die Formel „…only endanger ...“ hat Mensch daher zusätzlich als Verweis zu nehmen, daß der „Iran-Deal“ die zionistischen Feinde des Iran innerhalb und außerhalb Israels nicht befriedet hat – ob Trump nun daran gedacht, das so „gemeint“ hat, oder nicht!
Aber das ist eine andere Ebene des Textverständisses, als die, die ich hier bespreche.

Folgen wir Trump weiter:

The deal lifted crippling economic sanctions on Iran in exchange for very weak limits on the regime’s nuclear activity, and no limits at all on its other malign behavior, including its sinister activities in Syria, Yemen, and other places all around the world.
In other words, at the point when the United States had maximum leverage, this disastrous deal gave this regime — and it’s a regime of great terror — many billions of dollars, some of it in actual cash — a great embarrassment to me as a citizen and to all citizens of the United States.

Da haben wir die Wirk-lich-keit hinter den Verleumdungen vor uns, Trump agiere wie ein mehr oder minder kretinistisches Kind, aus „Trotz“ und „Feindseligkeit“, und wolle sich gegenüber „Papa“ Obama beweisen.
Schon der o.zit. erste Satz der Deklaration, „Ich verkünde der Welt„, zielt auf Heilung von etwas, dasTrump von seinem Standpunkt aus völlig sachgerecht als eine Ab- und Drangabe amerikanischer Machtfülle und Handlungsfreiheit im MENA-Theater und der globalen Bühne überhaupt versteht.
Und das heißt zunächst mal überhaupt nicht, daß er die, allgemein gesprochen,  maßgeblichen Gründe und Zwecke dieses „Verrates“ verleugnet oder nicht zu berücksichtigen gedenkt, nämlich das erwiesene Unvermögen der USA, den Gewaltbedarf des Weltmarktes aus eigener Machtvollkommenheit monopolistisch „bedienen“ zu können.
Im Gegenteil! Trump beweist in Wort und Tat unentwegt, daß und wie er diese Lage berücksichtigt und zu berücksichtigen gedenkt. Ich gehe hier nicht ins Detail, weil der allgemeinste Zug dieser Strategie oben schon benannt war:
Vermittels der verbliebenen militärischen und militärpolitischen Machtfülle der Vereinigten Staaten erklärt Trump die Amerikanische Nation für die Lösung des „Globalisierungsproblems“, und alle anderen Staaten für deren Problem, das sie gefälligst selbst zu bewältigen hätten – with a little help from their american friend. Das ist einfach ein Spiegelbild dessen, was seine Kritiker und Feinde tun.

Anders gesagt: Trump bringt die USA als Hegemonialmacht praktisch, nämlich ökonomisch und militärisch zur Geltung, und nicht länger ideell! 

181019-F-BQ566-130a

Er macht für die USA die Globalisierungsideologie wahr, und dabei kommt halt heraus, was paradoxerweise herauskommen muß:
American Exceptionalism, die Ideologie, der sich Obama buchstäblich „mit Haut und Haaren“ verschrieben hat (in „West Point“ gegenüber Offiziersanwärtern), fällt von seinem Essenstisch!
(Ob er sie noch im Nachtschrank hat, sei dahin gestellt …)

Also. Wahrlich, Trump hat recht:

 “The wacky Ambassador that the U.K. foisted upon the United States is not someone we are thrilled with, a very stupid guy … a pompous fool“


  1. Die aktualisierten Zahlen aus der von den Autoren bemühten Quelle findet man hier
  2. Seit Trumps Rückzug vom TPP haben Pentagon und State Department eine „strategische Umstellung“ vorgenommen. Statt „Pacific Pivot“ – wie bei Obama – oder, von State seinerzeit schon aufweichend verallgemeinert, „Pivot to Asia„, heißt die neue Strategische Leitlinie nun „Indo-Pacific Strategy„ 
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