Irankrieg – Updates (1)

Parteiübergreifende Koalition im US-Kongress zieht Donald Trump aus der Patsche, sagt einen Waffengang gegen den Iran vorerst ab

House votes to curb Trump’s war powers, challenging Senate to act
The additions to the bill reflect House Democrats’ desire to rein in Trump on military matters, notably through a bipartisan amendment to bar the president from offensive action against Iran without Congress’ express authorization. That measure passed 250-170, as 27 Republicans voted with the majority and seven Democrats voted with the minority.

Der Kommentator erwartet, daß diese Verfügung des Gesetzes den Senat passieren wird. Einer ihrer Gegner argumentierte:

“We have a number of ways that are not war but are the legitimate use of force, where the people who have to live under it think this goes too far and presents them from doing what they need to do,” Thornberry said. “This is only good news for Iran.”

Pentagon, White House, State und NSA sind jetzt nicht ernstlich die Flügel gestutzt, was „legitime Gewaltanwendung gegen den Iran“ anbelangt, aber besonders hoch dürften die Chaos-Vögel nun in der Tat nicht mehr fliegen und kacken können, wenn sich obligatorisch der Kongress mit den Folgen zu befassen hat. Es sei denn, man flöge ähnlich hoch und weit, wie an 9/11. Auf der militärischen Ebene ist das Imperium damit im Großen und Ganzen zum „Status quo ante“ der False-Flag-Operationen zurück gekehrt, die ich in meinen letzten Beiträgen zum Thema kommentiert habe.
Vgl. a. den Kommentar bei RT 1.

Die Essenz meiner Darstellung der False-Flag-Operationen und Provokationen der US-Marine in Zusammenarbeit mit israelischen und weiteren, unbekannten Helfern und Parteigängern, lautete, sie hätten keinen Waffengang i.e.S. mit dem Iran zum Ziel gehabt, sondern beabsichtigten, den amerikanischen Präsidenten in eine militärpolitische Zwangslage zu bringen, die ihn noch vor oder zu den Wahlen im kommenden Jahr aus dem Sattel heben könnte.

Mittelbar hat einige Tage später eine Darstellung von Sharmine Narvani diese Diagnose bestätigt, die ich teilen möchte, weil sie einiges zur Aufklärung der Hintergründe der aktuellen Entwicklung leistet.

Narvani betrachtet die Vorgänge parteilich im Rahmen dessen, was sie, gleich mir, Dritten Weltkrieg nennt, der mit einem amerikanischen Staatsstreich an 9/11 begonnen worden ist. In diesem Krieg sieht sie, schematisch benannt, „aufstrebende Mächte„, namentlich China, Russland und Iran, wie den asiatischen Wirtschaftsraum insgesamt, gegen die „absteigenden Mächte“ der kolonialistischen und imperialistischen Tradition gestellt. Ich zitiere einen Abschnitt aus einem ausführlicheren, im April / Mai erschienenen Interview mit der Journalistin, die 2010 bis 2014 leitende Wissenschaftliche Angestellte des St. Antony College, Oxford (UK) gewesen ist.

 I decided to look at the long view of what was taking place in the region: Lebanon, Syria, Iraq and Iran were targets of the Sunni extremism that was being funded by the West and its regional allies. A main goal was to cripple Iran’s growing influence in the region, but also to dismantle the “resistance axis” — Iran, Syria, Hezbollah. In amassing these jihadist armies, Sunni monarchs and Western leaders miscalculated horribly. Instead of destroying Syria, isolating Iran, and re-establishing hegemony over Lebanon and Iraq, the terrorism onslaught galvanized these four very different states into prioritizing security above all else. The battle against NATO–trained and GCC–funded extremists became an existential moment for them, and they would have no other choice but to work with each other, pool resources, create a central command, coordinate military operations, share intelligence.

I believed the four states would weather the terror tsunami also because they had secured unusual great-power cover from Russia and China at the UN Security Council. These two powers were very vested in the outcome of the Syrian conflict, for different reasons, and had the West understood this at the outset, maybe the Syrian crisis would not have been pushed so far.

It may have sounded crazy back in 2013, but I could easily see Iran, Iraq, Syria and Lebanon becoming an anchor of stability in this region. … Today, I see the “security arc” becoming a reality, though there are no declarations from their capitals. Certainly, the recent unprecedented meeting of the Iranian, Syrian and Iraqi defense ministers to overtly coordinate against terrorism was a sign, but all four countries have already demonstrated their commitment to this vision in countless military and intelligence operations over the past few years. Most important, these four states have discovered they can handle terrorism on their own, from within the region.

Einer meiner Gründe für dies ausführliche Zitat: Es ist ziemlich leicht zu erkennen, daß Trump in seiner MENA-Politik, vom faktischen Standpunkt betrachtet, von derselben Diagnose ausgegangen ist. Sie war der Hintergrund seiner vielgescholtenen Initiative, das amerikanische Verhältnis zu den Alliierten am Golf auf neue Füße zu stellen, mit dem KSA als designierter regionaler Führungsmacht im „Antiterrorkampf“ und „Eindämmung schädlichen iranischen Einflusses“. (Nähere Erklärungen dazu hier).

Ich habe oft genug vorerzählt, warum die regierende zionistische Militäraristokratie diese zwingend logische Strategie nicht dulden kann. Deren Umsetzung wird sie im Maße zu militärischen Gegenmaßnahmen verpflichten, wie sie auf ein „strategisches Gleichgewicht“ zwischen einer persischen und arabischen Regionalmacht hinaus laufen könnte, das Israel geo- und weltpolitisch ins Abseits stellt. Das war schon zu Zeiten Obamas so, der in den Grundzügen die gleiche Strategie, wie Trump verfolgte, allerdings unter Stärkung der europäischen Verbündeten anstelle des KSA.
Vor wenigen Wochen hatte Trump eine verbliebene Zweideutigkeit seiner strategischen Variante beseitigt, indem er verkündete, Regime Change im Iran sei nicht das Ziel des US-Präsidenten – im klaren Gegensatz zu den einschlägigen Irankriegern in State Department, Pentagon, Tel Aviv und London.

Diese Ansage war das entscheidende Detail für die Feindschaft des Racket der zionistisch inspirierten Irankrieger, aus einem Grund, den ich bereits benannt habe, und den ihr im RT-Interview Narvanis ab Min 23:30 noch einmal aus berufenerem Munde zur Kenntnis nehmen könnt: Die US-Streitkräfte im Golf stehen gegenüber dem Iran auf weitgehend verlorenem Posten es sei denn, sie kalkulieren mit nuklearen Optionen, die das Vorrecht des Präsidenten sind.

Die Kongress-Initiative entlastet Trump von den beständigen Angriffen der Zionisten und anderer Chaos-Vögel an dieser Front. Die geben allerdings nicht auf, wie man an dem Faß sieht, das die Briten mit der Aufbringung eines mit iranischem Öl beladenen Tankers vor Gibraltar aufgemacht haben. Sie wird Thema des nächsten Eintrages.

Zwei Nachbemerkungen

Erstens:
Die politischen Standpunkte und Urteile Sharmine Narvanis teile ich nicht. Parteinahme in Vorgängen, die essentiell zum „(End-)Kampf der Mächte des Lichtes und der Finsternis“ stilisiert werden, sind das Geschäft der Blutfedern seit Anbeginn aller Literatur (Gilgamesch-Epos und andere sumerische und akkadische Zeugnisse).
Narvani hat sich nicht freiwillig und leichtherzig zu diesem Geschäft verstanden. Ich habe viel Verständnis für eine Wandlung, in der das mehr oder minder direkte Erleben der schier unermesslichen Leiden einer eine halbe Milliarde starken Bevölkerung im MENA und angrenzenden Regionen eine prominente Rolle haben dürfte. Ich selbst widerstehe nach 20 Jahren mittelbaren Miterlebens vergleichbaren Impulsen nur mit Mühe.

Zweitens:
So vorrangig die Kalküle und Maßnahmen der bewaffneten Zionisten in Israel sind, habe ich immer wieder auf Gegenbewegungen im jüdischen Homeland des Imperiums hingewiesen.
Hinsichtlich des Libanon, dessen Vernichtung vorrangiges Ziel radikaler Zionisten ist, gab es unterdessen zwei gegenläufige Maßnahmen zur vorläufigen Befriedung.
Das US-Schatzamt verhängte erstmals Sanktionen gegen libanesische Abgeordnete aus der Hezbollah. Die „Falken“ können dies als eine offizielle Delegitimierung der libanesischen Regierung deuten. Auf der Ebene „hoher“ Diplomatie ist es das. Doch im praktischen Geschäft stärkt es die Pragmatiker, die eine Langzeitstrategie zur Einbindung der Hezbollah in den Neuaufbau einer libanesischen Nation verfolgen, die zum Judenstaat das Verhältnis einer Nachbarnation einnimmt.

Zugleich sieht es danach aus, daß die israelische Regierung von ihren unannehmbaren Forderungen abgerückt ist, die sie auf libanesische Territorialgewässer und Gasreserven erhoben hat. Die ToI berichtete, Israel und Libanon stünden kurz vor Aufnahme direkter Gespräche über den maritimen Grenzstreit. Vermittelt wurden sie durch David Satterfield, den John Kerry in den diplomatischen Dienst zurück berief, weil die israelischen Faschisten dem diplomatischen Veteranen des Irakkrieges vertrauen. Kerrys Israelpolitik bestand im Wesentlichen darin, den hybriden Libanon- und Syrienkrieg der regierenden israelischen Faschisten gegen Angriffe von außen zu decken, während er Netanyahus innenpolitische Gegner, die Vertreter einer globalistisch orientierten zionistischen Internationale, nach dem Abgang Ehud Baraks repräsentiert von Isaak Herzog, zu stärken suchte, um Netanyahu und seine Gefolgschaft an „Dummheiten“ zu hindern. Die Trump Administration scheint entgegen manchem Anschein auch auf diesem Feld in die Fußtapfen ihrer Vorgängerin zu treten.

 

 

 


  1. Gemessen an der immensen Bedeutung ist die RT-Berichterstattung  bemerkenswert matt … 

2 Kommentare zu „Irankrieg – Updates (1)

Gib deinen ab

  1. Sieh an:

    „U.S. President Donald “Trump’s administration is seeking to open channels of communication to Hezbollah in Lebanon through mediators. … These are the American pragmatists,” Sayyed Hassan Nasrallah said in an interview with Hezbollah’s al-Manar TV without elaborating.“
    (soeben, via AMN)

    Liken

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