Irankrieg – „Omani back channel“

In der Reuters-Meldung vom 20.Juni zum US-Luftangriff auf iranische Stellungen,  der in der Aufmarschphase abgebrochen worden sein soll, hieß es:

Iranian sources told Reuters that Trump had warned Tehran via Oman that a U.S. attack was imminent, but had said he was against war and wanted talks.

In einer späteren Ergänzung hieß es:

The State Department denied the Reuters report. “Reports that a message was passed last night to the Iranians via an Omani back channel are completely false. These reports are pure Iranian propaganda,” department spokeswoman Morgan Ortagus said on Twitter.

Auch ein iranischer Regierungssprecher hat die Behauptung Reuters als „komplett falsch“  zurück gewiesen.
Wie kommt so etwas zustande?

Ich habe kürzlich hier und hier einiges zum Kräfteverhältnis am Golf geschrieben und zum Teil dokumentiert. Selbst eine optimal mobilisierte US-Navy riskierte am Golf eine Schmach, wenngleich zu einem exorbitanten Preis für den Gegner, und die Bomberflotten und Raketenwaffen könnten sie allenfalls in den Augen des blutrünstigen Publikums auswetzen, weil kein „Endgame“ zur Verfügung steht. Das ist im Wesentlichen nicht strittig. Donald Trump verriet es erst gestern wieder,  indem er warnte, die Iraner sollten ihn nicht mißverstehen, im Falle eines offenen Krieges werde „der Iran ausradiert“ („completely obliterated“).

Nun war und bleibt die Navy zum kritischen Zeitpunkt nicht zum offenen Krieg am Golf mobilisiert. Ihr werdet mitbekommen haben, daß Trump stattdessen laut über einen Teilabzug nachdenkt. Unter diesen Umständen und den genannten Voraussetzungen ist das Narrativ vom abgebrochenen Luftangriff ein nahezu „bombenfestes“ Indiz dafür, daß am „Omani back channel“ etwas „dran“ ist. Es ergänzt die seit Monaten aus dem iranischen Außenministerium zu hörenden Warnungen vor den Machenschaften und Aktionen eines „B-Teams“, indem es ihm diejenigen US-Kommandeure beigesellt, die für die Konzeption und Planung eines begrenzten Luftschlages zuständig waren, die zum fraglichen Zeitpunkt zur Verfügung gestanden haben muß.

Konkret handelt es sich um Kenneth F. McKenzie Jr., aktueller Befehlshaber CENTCOM, das in der Luftwaffen- und Marinebasis Al Udeid, Katar, eine große Außenstelle hat, und den Wing-Commander der dort stationierten Luftstreitkräfte, Brigadegeneral Daniel H. Tulley. Über McKenzie pfeifen die Washingtoner Spatzen von den Dächern, er zähle zum Team Bolton / Pompeo, von dem sich Trump in den vergangenen zwei Tagen wortreich abgesetzt hat.
Daher erfordern die „Machenschaften“, von denen Zarif erzählt, und von deren Existenz wir durch die Tanker-False-Flags und die „Global Hawk“-Provokation 1 wissen, einen „back channel“, damit die Neckereien in beidseitigem Interesse nicht aus dem Ruder laufen.

Und ’nu kommt „Debka“ …

Ich erinnere nicht mehr genau, wann Debka die letzte Info verbreitet hat, die in meinen Augen den militärischen Auftrag des Kanals und seinen Zugang zu „speziellen“ Quellen bestätigt hat – so schlecht und recht ich das eben beurteilen kann. Ich meine, es wäre 2016 gewesen. Dies zur Vorbemerkung.

Debka hat dem „back channel“ einen eigenen Artikel unter dem Titel „A new US-Iran hot line“ gewidmet, in dem es heißt (meine Hervorhebungen):

 … some of the messages the US and Iran exchanged shortly before and after the Iranian surface-to-air missile shot down a Navy missile over the Strait of Hormuz on Thursday did not go through any third party. They were channeled directly through a new hot line established in the last fortnight to create a direct link between the US Fifth Fleet in Manama, Bahrain and the Bushehr-based Revolutionary Guards Navy HQ. (…)
Hot lines especially in the Middle East are designed for emergency contacts between opposing powers to avert unintentional war conflagrations. They are maintained inter alia by the US and Russia, the US and Israel and Russia and Israel. This mechanism works only when it suits both parties. When one of the sides is intent on concealing its actions from the other, the link goes silent.
This breakdown of communications through the new hot line was behind the complaint heard from Gen. Amir Hajizadeh, chief of Iran’s Revolutionary Guards Aerospace Command: “Iran warned the [US] drone four times, and the drone would have transmitted the warnings to its central stations. Unfortunately, when they failed to reply, and the aircraft made no change to its trajectory… we were obliged to shoot it down.
The US insists the drone was shot down in an “unprovoked attack” in international airspace over the Strait of Hormuz.

Die Bestätigung der Provokation durch eine inoffizielle zionistische Seite habe ich nicht nötig, aber sie bekräftigt natürlich meine Analysen, es sei denn, ihr wolltet annehmen, DEBKA veröffentlicht sowas eigens als Dienstleistung für „antisemitische Schmierlappen„, wie meiner einer ist, und deren „judenpolitischen Expertisen„. Nicht ausgeschlossen, gelle? Doch nicht eben wahrscheinlich …
Kritischer ist die Sache mit der vierzehn Tage alten, neuen „hot line“. Wir wissen auf logischem Wege, es muß wesentlich länger eine geben. Tatsächlich bestätigt Debka das in einem Nebensatz:

Washington channeled a second set (of messages, TG) through Qatar – not Oman as both US and Iranian officials told reporters.

Für Qatar laßt uns getrost Al Udeid einsetzen.
Spätestens im ersten logistischen Stadium der Operation, die Trump, wie er später nachschob, nicht befohlen, sondern hat abbrechen lassen 2, d.h. in der Phase, in der Bereitschaft befohlen, erste Befehle aus- und Material bereit gestellt werden, dürfte man der Gegenseite irgend etwas gezwitschert haben.
Aber was?

Hier kommt das Gerücht ins Spiel, das bei Reuters nicht (mehr?) steht, der amerikanische Präsident oder die Heeresleitung habe Teheran angeboten, einen Scheinangriff auszuführen, bzw., heute wohl korrekter gesagt, eine militärische Reality Show mit „geringfügiger“ Blutbeimischung aufzuführen, wie zweifach in Syrien und zuvor über Jahre gegen den IS. Das war der Bestandteil, der die empörte Zurückweisung des Gesamtgerüchtes aus Teheran praktisch erzwungen hat. „Absurd„, hieß es dort. Mit dem „Satan“ und seinen „Sendboten“ dealt man in Gom gar nicht, in Teheran allenfalls zu strikt eigenen Konditionen.

Ist das Gerücht plausibel?
Am 18. Juni schrieb ich bei Moonofalabama:
I suspect the attack (on the drone) will be used to render it viable for both sides. The US could perhaps bomb with redundant forces some Iranian coastal batteries that are easily restored and tolerate the loss of a frigate, or something of this format. The bloodhounds of both sides will brag over the corpses – inevitably more iranian, than US-corpses and be congratulated for their restraint. The yield will be to have shown the places to the rival elites, especially to the EU , India and the ASEAN states, but even to Israel, and on this newly prepared stage a new round of the old play can and will start.
Meine Phantasie scheint blutrünstiger, als die der Erfinder des Gerüchtes oder der taktischen Schliche. Ob Gerücht oder reale Erwägung ist in einer Hinsicht ganz einerlei: die Reality Show lag im Phasenraum der Geschehnisse.

Und was ist mit der „neuen Hotline“?

Für sie gilt mindestens dasselbe, die Zeitangabe, „in den letzten 14 Tagen“, beweist zumindest dies. Militärische Gefolgsleute Trumps hatten ein starkes Motiv, eine parallele und konkurrierende Hot-Line in den Iran einrichten zu wollen. Die primäre Hot-Line läge schon aus operativen Gründen bei der „schnellen Truppe“, also Marines und Airforce in El Udeid, statt bei der Navy, und die militärpolitische Adresse ist die Außenstelle von CENTCOM.
Entweder stimmt die Geschichte von Debka in dem Punkt, oder jemand ging bei ihrer Erfindung von denselben Überlegungen und Urteilen aus, wie ich, die auf eine unheimliche Allianz inter- und transnationaler Teilstreitkräfte gegen die Person des Präsidenten führen.
In BEIDEN Fällen nehme ich die Info für real und allgemeine Bestätigung meiner hier und in früheren Einträgen vorgestellten Überlegungen.
Warum?
Einfach: Weil ich mich zwar für klüger halte, als Trump und die ganze andere Meschpoke, aber diese Meschpoke nicht für dümmer, als ich es bin – klaro?

So, wie hier vorgeführt, geht – im Prinzip – operatives Denken, das kaum einer von euch dressierten Affen noch außerhalb der fachidiotischen Dienste beherrscht, die ihr dem Zweck leistet, daß aus Geld mehr Geld, aus Macht mehr Macht werde.

Debka wollte es, wie fast immer, nicht bei diesem intellektuellen Spielchen belassen. Mit mehr oder minder Blutvergießen drohen, läßt man sich dort kaum einmal nehmen:

“Their failure to reply” is the outstanding feature of the new hot line. According to our sources, the Trump administration has sent several messages through the Manama-Bushehr link warning Tehran to call off its planned strike on a major Saudi oil target, which is scheduled to occur in days. As far as we can establish, no Iranian reply has been forthcoming up until now.

Im Minimum fördert das die nützliche german angst vor der Freizügigkeit, die israelische Dienste und deren direkte Verbündete genießen, und sie bindet vermutlich gegnerische Kräfte.


  1. Unterdessen hat der Chef des russischen Security Council, Nicolai Patruschew, die Provokation anläßlich eines trilateralen Treffens mit Bolton und Netanyahu ohne Not bestätigt. Zwischenstaatlich war die Affäre zu diesem Zeitpunkt abgeschlossen. Ohne Not wird er nicht lügen, und daß er nicht schweigt – und die russische Aufklärung bedeckt hält – hat offenbar besondere Gründe und einen eigenen Auftrag
  2. I never called the strike against Iran “BACK,” as people are incorrectly reporting, I just stopped it from going forward at this time! 
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Ein Kommentar zu „Irankrieg – „Omani back channel“

Gib deinen ab

  1. Im nächsten Eintrag sollte ich mich fiktiven Fragen stellen, was, in drei Teufels Namen, die (radikalen) Zionisten gegen Trump haben mögen. Auf der allgemeinsten verfügbaren Ebene habe ich das getan, aber im Zusammenhang des Irankrieges scheint es derart konkret zur Sache zu gehen, daß diese Ebene kaum noch was erklärt.
    Es hat schon wesentlich mit dem „Iran-Deal“ zu tun. Bis zu näheren Erklärungen verweise ich auf:
    https://tomgard.blog/2018/11/04/was-war-der-iran-deal-ein-fragment/

    Gefällt mir

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