Follow up zum Zwischenfall vor Oman

Kriminalistische („verschwörungstheoretische“) Nachreichungen und Ergänzungen

Unter der widersprüchlichen Nachrichtenlage wollte ich mich gestern nicht zu Details äußern. Seither wurde der Nebel teils gelichtet, teils verdichtet, was einen Abgleich mit meinen Schlüssen erlaubt und erfordert.

1. Die abschließende Klärung der Eigentümerfrage …

an der Kokuka Courageous mindert einen Verdacht auf Täterwissen gegen Mike Pompeo. Die Schiffsführung habe während der Ereignisse in Telefonkontakt mit der Eigentümerin, der Gesellschaft Kokuka Sangyo gestanden, erklärte deren Sprecher. Pompeo wurde wahrscheinlich von der Navy informiert, während in der Medienwelt noch eine deutsche Betreibergesellschaft zirkuliert wurde.

2. Warum wird über das zweite betroffene Schiff nichts berichtet?

Der Vorstand der Frontline Ltd, Eigner der Front Altair, des zweiten Schiffes, das neben der Kokuka Courageous angegriffen worden und in Brand geraten ist, wollte gestern, nachdem das Feuer gelöscht war, zu Verlauf und Brandursache gar nichts sagen.

Schaut man sich die zahlreichen Photos vom brennenden Schiff an, ist zu erahnen, was der Grund sein könnte.
Sie zeigen ein typisches „kaltes“ Kohlenwasserstoffeuer, das seine Luftzufuhr unter der eigenen Hitze mindert und daher eine dichte, fettschwarze Rußwolke entwickelt, auf dem Oberdeck nahe der Schanzung. Mindestens eine Luftaufnahme zeigt, wie brennende Flüssigkeit die Bordwand herunter fließt. Wie kam das Feuer dorthin? Was nährte es? Die Ladung, angeblich Rohbenzin, war es offenkundig nicht. Es war keine Beschußwirkung, es sei denn, entzündete Fässer mit Brandbeschleuniger wären mit Katapulten die Bordwand hinauf befördert worden. Unter solchen Photos gibt es keine Geschichten  von Haftminen, Torpedos, Granaten zu erzählen, nicht einmal von Bomben, es sei denn, sie seien an Deck gezündet worden.
Zugleich bedienen die Bilder ein Bedürfnis, von spektakulären Ereignissen zu berichten, ohne daß es welche gab. Der rasch gelöschte Brand im Maschinenraum der Kokuka – dazu unten mehr – gab keine her. Der Decksbrand auf der Front Altair oberhalb der Tanks mit entzündlicher Ladung kann keine größeren Schäden hinterlassen haben.

updateIch lese gerade, Craig Murray hat die Info aufgetan, Frontline Ltd. sei 2010 mit Brüchen der Iran-Sanktionen aufgefallen. Vor diesem Hintergrund bekommen das Erscheinungsbild des Vorfalls, das Schweigen der Fa. und die Evakuierung der russisch / philippinische Crew in’s iranische Bandar Abbas den Geruch eines mehr oder weniger offenen amerikanisch – emiratischen Überfalls, den der Eigentümer still zu dulden hat, um größeren Schaden von sich abzuwenden. 

3. Keine Haftminen, sondern Beschuß, sagt Kokuka Sangyo

Das Schiff sei im Abstand von drei Stunden zweimal von Geschossen getroffen worden. Diese Auskunft ist absolut unvereinbar mit allen Angaben der US-Navy zum Geschehen. Wenn ihr das nicht glaubt, lest halt diesen elend langen Artikel, dessen Autor den Versuch einer Versöhnung unternimmt – und kläglich scheitert.

Das relativ hoch auflösende Tele-Bild, das die Navy von einem Teil der Schadwirkung lieferte, bestätigt den Eigentümer.

Im Vordergrund ein wohl typisches Einschußloch in einer Schiffswand, vergleicht es mit diesem:

(Beschußwirkung einer russischen Übungsgranate)
Da ist die Brechung der Geschossbahn in der Doppelwand zu erkennen, die das nach unten weisende, balkenförmige Einschussloch verursacht.

Der zweite Einschuß, zeitlich der erste, der den Maschinenraum traf und in Brand setzte, befindet sich nach japanischer Angabe an Backbord.

Der scheinbare Buckel, der mit „Wahrscheinlich eine Mine“ beschriftet ist, zeigt jedenfalls keine Haftmine. Haftminen werden dafür gebaut, daß ein Taucher sie an einer speziellen Halterung vor der Brust transportieren kann, ohne wesentlich an Schwimmbewegungen gehindert zu sein. Dafür ist das „Teil“ – oder die Retuschierung – deutlich zu groß.

Womit wir bei der Frage wären,

4. Was hat die US-Navy vor Ort (nicht) getan?

Dazu gebe ich einem Telepolis-Leser die Ehre:

Warum gibt es nur das eine einzige Foto von der Kokuka?
(…) im Video sieht man nichts. Weder dass etwas angebracht, noch dass etwas entfernt wird. Am 13.6. wurden massenweise Fotos und Hubschrauber-Videos von der brennenden Front Altair veröffentlicht aber von der Kokuka gab es kein einziges. Das dürfte den wenigsten aufgefallen sein, weil beide Schiffe ähnlich aussehen. Nur dass die Kokuka eben nie brannte. Warum wurde das erste Foto von der Kokuka erst einen Tag später am 14. 06. veröffentlicht und das ausgerechnet vom US-Militär?

Die USS Bainbridge war erst 4 Stunden später vor Ort, wie das CENTCOM selbst schrieb.[1] Es waren Hubschrauber und insgesamt 5 Schiffe vor Ort, die direkt an der Rettungsaktion beteiligt waren. Das geht aus dem Tracking-Video, das MarineTraffic veröffentlicht hat hervor.[2]

unmittelbar nach dem Anschlag:
– Hyundai Dubai
– Coastal Ace
– Naji 10
– E Two

einige Stunde später:
– USS Bainbridge

Hat wirklich keiner weitere Fotos gemacht und woher stammt das Foto, das die agebliche Hanftmine zeigt? Und was den dunklen Punkt betrifft,der eine Haftmine zeigen soll; den vervielfältige, entferne oder verschiebe ich mit dem Photoshop-Kopierstempel in 5 Sekunden. Dafür muss man nicht mal was können.

1. https://twitter.com/nemetskiirobot/status/1139567929622695937
2. https://twitter.com/MarineTraffic/status/1139501552182407169

 

Die USS Bainbridge funkt ihre Position natürlich nicht an neugierige Nasen. Es ist dennoch nicht unwahrscheinlich, daß die Navy erst spät mit Schiffen vor Ort war. Vom nächstgelegenen Patrouillenhafen in den VAE, Ra’s al-Chaima, lag die Kokuka um 280 km entfernt. Aber wenn vier Schiffe vorher dort waren, darunter die Hyundai Dubai, auf welche die Besatzung nach dem zweiten Beschuß, knapp drei Stunden nach dem ersten Notruf, evakuiert wurde, wann soll das berüchtigte Video des angeblich aus der Luft aufgenommenen angeblichen iranischen Patrouillenbootes, dessen Besatzung die angebliche Hanftmine entfernt habe, entstanden sein – und warum eine Luftaufnahme, wenn die USS-Bainbrigdge vor Ort war?

Die Geschichte ist zum stehend Einschlafen und – deshalb schere ich mich darum – soll es sein!

5. Die Haftminenscharade taugt und dient ausschließlich zur Demütigung des Publikums

Sie provozierte ohne Not den Einspruch des Eigners (nicht der Besatzung, der man vor Ort das Maul stopfen kann). Sie provoziert die das Narrativ schwer beeinträchtigende Frage, warum die iranische Marine sich einerseits erhebliche Mühe gemacht haben sollte, die explodierte Mine so hoch anzubringen, daß die Kokuka weder sinken noch explodieren konnte, und den Blindgänger ebenfalls hoch und sichtbar an einer Stelle anbringen sollte, an der er die Methanolladung hätte zünden müssen. Und warum die iranische Marine – wenn sie schon so handelte – die Minerei nicht geskippt, stattdessen … eine Granate in den Schiffsrumpf gejagt habe, dorthin, wo es WUMMS macht.

Hat sich die Navy – oder sonst jemand – anläßlich der vergangenen Sabotageakte im Golf um Plausibilität, geschweige Beweise für die Beschuldigung des Feindes geschert? Nein, hat sie nicht. Wer ist also das Publikum, das gedemütigt, demoralisiert, zu Zombies gemacht werden soll?

6. Donald Trump – neben seiner Rest-Gefolgschaft – wurde MAXIMAL vorgeführt

In einem Fox-News-Interview – nominell sein Leibsender – sagte Trump auf die Frage nach Beweisen für iranische Täterschaft:

“You saw the boat at night trying to take the mine off and they successfully took it off,” Trump said, adding that Iran didn’t want to leave any evidence behind. “I guess they don’t know that we have things that…can detect in the dark.”

Demnach wäre das Video der Navy von der „Minenentfernung“ erst in der Nacht auf den 14. Juni entstanden, als das o.a. „Minen“-Bild mindestens 12 Stunden lang um die Welt gegangen war.
Und natürlich handelt es sich erkennbar nicht um eine Nachtaufnahme mit den typischen Spuren von Restlichtverstärkern und Infrarotsensoren, sondern ein verdunkeltes und verpinxeltes Video.

Trump steht nach diesem Interview anscheinend maximal dumm vor seinem Publikum. Und das um so mehr, als, wie Frank Herrmann für den „Standard“ richtig diagnostiziert, neben dem britischen Außenminister kein zählender HERR die Scharade öffentlich kauft.

Hatte Trump aber eine Wahl? Nein. Hatte er nicht. Im „Fall Skripal“ hatte er öffentlich Zweifel am britischen Narrativ durchblicken lassen und mußte sich schon nach Stunden der breiten Front der EU-Staatsführungen beugen. „Dumm dastehen“ ist für ein Modell, wie Trump eines ist, einem demütigen Diener weit, weit, weit vorzuziehen, und wer das nicht begreift, der hat noch nie mit klarem Hirn in einer außerpolitischen Hierarchie gearbeitet. Sich-dumm-stellen gehört dort ab einer bestimmten Lufthöhe zu den bevorzugten und tatsächlich unverzichtbaren Techniken persönlicher Durchsetzung.

Im vorliegenden Fall stand Trump nicht mehr einem politischen Feind gegenüber, sondern nur noch militärischen bzw. geheimdienstlichen Feinden, einschließlich seines eigenen Stabschefs und des Büroleiters, genau darauf war die Scharade berechnet.

Trump ist eine Heldenfigur aus dem zeitgeschichtlichen Museum bürgerlicher Typologie, Mythologie und Poetologie

Ja, Leute, das soll mal gesagt sein, wenn es auch nur mittelbar zum Thema gehört.
Sicherheitsnadelhalber will ich versichert haben, die Überschrift ist keine Lobpreisung, eher das Gegenteil, aber vorzüglich meine ich sie so staubtrocken, wie Museumsluft zu sein pflegt.

Der POTUS muß administrativ noch über ein paar mehr „assets“ verfügen, als die persönliche Macht über die Roten Knöpfe, die ihm das Amt verleiht, aber politisch kann kaum mehr als das übrig sein, wenn wir die vorliegende Geschichte zum Maß nehmen.
Indem er dennoch „weitermacht“ und sich aufführt, wie er es tut, ist er ein Wahrer Held.

Er ist so dumm, wie solche Helden sind, aber gewiß nicht so abgründig dumm, wie seine Mannschaft ihn vorstellig macht. Die Indizien, die ihm vorgelegt worden seien, trügen allesamt „Iran“ auf der Stirn geschrieben –  “evidence … essentially got Iran written all over it” – sagte er im o.zit. Interview auch. Trump hat die Schläue solcher Helden.

Er ist so stur, dickfellig, brutal und sentimental, wie museale bürgerliche Helden, die Beispiele dafür sind Legion. Und es ist anzunehmen, sein Patriotismus ist echt, genauso echt, als die Sentimentalität. Trump weiß, daß und wie seine Feinde es wissen, der Preis für seine Verjagung aus dem Amt wäre möglicherweise der Untergang, die Zerlegung der Amerikanischen Föderation unter einem Blutvergießen, daß die schier unerhörten Massaker des amerikanischen Bürgerkrieges in den Schatten stellen könnte.

Und in alledem ist Trump ganz unabhängig von seiner Person ein Held vom Zuschnitt eines älteren, eines vorbürgerlichen Geschlechtes, dem des Alonso Quijano, alias Don Quijote. Dazu bestimmt ihn die epochale Phase des zerlegenden Imperiums und Weltmarktes.

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