Aktuell – Kreml schürt ergebnisoffen Konflikt zwischen NATO und Weißem Haus

Das Bild ist ein Screenshot aus einem Ruptly-Video, das den gestrigen Einmarsch frischer türkischer Truppen über die syrische Grenze bei Jarabulus zeigt. Parallel behauptet Daily Sabah, Einheiten türkischer Söldner marschierten zum Angriff auf die Waffenruhelinie des Bezirks Manbij, an der nach Mitteilung eines Sprechers der OIR weiterhin amerikanische und französische Einheiten patrouillieren. Der – angebliche – Auftrag der türkischen Truppen, Erdogan zufolge: „Der YPG eine Lektion erteilen.“ All dies geschah vor dem Eintreffen des türkischen Generalstabschefs und des Direktors des Geheimdienstes in Moskau zu Lagegesprächen.

Voraus gegangen war die anmaßende Lüge des Oberkommandos der syrischen Armee, sie habe auf Bitten der SDF ihre Fahne in Manbij gehißt, die Hoheit über den Bezirk übernommen und werde alle aktuellen Bewohner – also die NATO-Truppen eingeschlossen – gegen Eindringlinge verteidigen. Die Provokation wurde von Falken im US-Senat umgehend als „ultimate Katastrophe“ der Politik des Weißen Hauses gefeiert.

Tatsächlich hat nach Meldungen von Gewährsleuten vor Ort eine unbedeutende Vorhut syrischer Truppen westlich der Stadt Manbij Stellung bezogen, abseits der kritischen Frontabschnitte im Nordwesten des Bezirks. Debka goß Öl mit der offenbar gelogenen Meldung ins Feuer, diese Truppen würden von russischen Einheiten begleitet. Kreml-Sprecher Peskov „begrüßte“ stattdessen die syrische Prahlerei ohne Richtigstellung.

Mir scheint ziemlich klar, was vorgeht. Die türkische Armee schickt eine unbedeutende Zahl FSA-„Kavalleristen“ auf bewaffneten Toyotas vor, eine Einkreisung der Stadt Manbij anzusetzen, um die Entschlossenheit sowohl der SDF wie die französischen und amerikanischen OIR-Truppen darauf zu testen, ob sie vor den Augen der politischen Öffentlichkeit ein blutiges Scharmützel zwischen NATO-Stellvertretern riskieren wollen 1. Dem Kreml läßt Erdogan die Rolle, sich in einem gesichtswahrenden Kommuniqué einen vorläufigen Rückzug der türkischen Truppen nach diesem Testlauf – wie immer er ausgehe – auf die diplomatischen Fahnen zu schreiben. Falls nicht irgend eine Seite ausrastet, womit nach langjährigen Erfahrungen der Beteiligten mit ähnlichen blutigen Manövern kaum zu rechnen ist, ist das Resultat gewiß, wie immer der Verlauf:
Der türkische Herrschaftsanspruch über Nordsyrien wird zu einer mit mehr oder weniger Blut besiegelten Verhandlungsmasse der NATO gegenüber Ordnungsansprüchen Washingtons und Brüssels.


  1. Scharmützel dieser Art hat es seit Ende 2012 immer wieder gegeben, aber sie wurden vom diplomatischen Parkett fern gehalten. 
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